Gesundheit

Kudzu-wurzel – neue möglichkeiten zu einer pharmokotherapie von alkoholismus

Prof. Dr. hab. med. Jan Niedworok

Institut für Pharmakologie der Medizinischen Universität in Łódź, „Lek w Polsce“ [„Medikament in Polen”] 2002

Kudzu – Pueraria lobata Wild, Pflanze, die zur Gattung der Hülsenfrüchte gehört, die in Asien wächst, sowie auch in den Regionen Amerikas ober- und unterhalb des nördlichen Wendekreises. Ihre Verteilung ist in bestimmten Gebieten sehr stark, z.B. in Georgia bildet die Pflanze „grüne Teppiche“, die Bäume und Sträucher bedecken.

Als Pflanze erreicht die Ranke sogar 12 Meter Höhe. Sie wächst im Schatten von Bäumen, entlang von Straßen, wobei sie Straßenlaternen und Elektrizitätsmaste umwickelt. Unter guten Klima- und Bodenbedingungen ist die Schnelligkeit des täglichen Wachstums dieser Pflanze erheblich und bis zu 30 cm erreichen. Die Größe der Blätter und der von den Blüten verströmte Duft haben sie sehr attraktiv gemacht. Ähnlich wie andere Schmetterlingsblütenartige sammelt auch sie Stickstoff aus der Luft und kann dank ihrer Wurzeln die Erde düngen. Darüber hinaus kann sie auch als ergiebige Futterpflanze dienen, aufgrund des schnellen Wachstums, aber vor allem dank dem bedeutenden Stärkegehalt. Bereits seit vielen Jahren sind die Kudzu-Hülsen und Wurzeln unter dem Namen „ge–gen“ in der chinesischen Heilkunde verwendet worden.

Sie wurde in der Migräne-Therapie, bei Insuffizienz der Koronargefäße, arteriellem Bluthochdruck, Allergien, Durchfällen und bei der Behandlung von Alkoholismus verwendet. Jedoch erst seit wenigen Jahren wurden Extrakte aus den Kudzu-Früchten und Wurzeln genaueren Untersuchungen in vielen Forschungszentren unterzogen, wobei in der Wurzel das Vorhandensein einer bedeutenden Menge von Isoflavonen festgestellt, d.h. durchschnittlich von 1,77 bis 12% der Trockenmasse, darunter Daidzine, Daidzeine, Daidzein-4,7 Diglikoxyd, Puerarino-7- Xylosyd und 4,6–0-Diacytylopuerarin und andere Verbindungen (8).

Der trockene Ethan-Extrakt der Kudzu-Wurzel, der oral verabreicht wird, zieht schnell ein und sammelt sich in Blutplasma, Leber, Milz und hauptsächlich in den Nerven, am wenigsten wurde im zentralen Nervensystem festgestellt. Ausgeschieden wird es hauptsächlich in Form von Sulfaten sowie Glucuronaten mit dem Harn sowie in der Galle durch den Verdauungskontrakt ( 16,17 ).

Pharmakologische Wirkung

In den Experimenten wurde eine wesentliche Wirkung auf das Herz-Gefäßsystem festgestellt, die sich unter anderem durch eine Erweiterung der Koronargefäße, einen verringerten Sauerstoffbedarf durch den Herzmuskel (durch Ökonomisierung der Arbeit des Herzens), eine verringerte Ausweitung des Bereichs der Herz-Nekrose beim zu Versuchszwecken hervorgerufenen Herzinfarkt zeigt, durch Verbesserung des Metabolismus im vom Infarkt betroffenen Bereich. Darüber hinaus wurde eine Senkung des Blutdrucks, eine Senkung der Katecholamine-Konzentration im kreisenden Blut sowie Verringerung der Reaktivität der bluttransportierenden Gefäße festgestellt.  Der trockene Ethan-Extrakt aus der Kudzu-Wurzel hat außerdem die Eigenschaften von Beta-Adrenolitiken, in kleinen Dosen soll es die adrenergischen Rezeptoren hemmen b1, in großen Dosen soll es den Effekt der Wirkung von Isoproterenol auf die adrenergischen Rezeptoren aufheben b2, Es wurde auch ein stark hemmender Einfluss auf die Aggregation der Blutplättchen der Ratten, die von ADP und Collagen hervorgerufen wurden, festgestellt, was den günstigen Einfluss des Extrakts aus der Wurzel auf den Verlauf von Insuffizienz der Koronargefäße und den Herzinfarkt potenzieren kann ( 3, 4, 11, 12, 14). Einige der Isoflavone, die in der Kudzu-Wurzel enthalten sind, sollten eine zytotoxische Wirkung hervorrufen und Prozesse der Apoptose in einigen nicht ordnungsgemäßen Zellen induzieren (9). Es wurde außerdem eine Anti-Mutagen-Wirkung des trockenen Ethan-Extrakts der Kudzu-Wurzel bei Verwendung des Ames-Tests (12) festgestellt. Darüber hinaus wurde bei in vitro-Untersuchungen die hemmende Wirkung des Extrakts aus Blüten und Wurzeln des Kudzu auf die Zucht von Helicobacter pylori beobachtet(1)

In den klinischen Beobachtungen hebt der Extrakt aus Kudzu-Wurzeln die Intensität von Kopfschmerzen auf bzw. verringert sie, darunter auch Migräne-Schmerzen, was dadurch bedingt sein soll, dass der Blutdurchfluss in Verbindung mit einer Verringerung der Gefäßwiderstände erleichtert wird. Bei einer verhältnismäßig großen Gruppe von Personen wurde eine wesentliche Senkung des arteriellen Blutdrucks festgestellt, nachdem sie einige Wochen lang trockenen Ethan-Extrakt aus Kudzu-Wurzel konsumiert hatten. Es wurde auch eine wesentliche Verringerung der Häufigkeit und Intensität von Schmerzanfällen im Verlauf der Koronarkrankheit festgestellt (11, 12).

Es wurde auch empfohlen, den Extrakt aus der Kudzu-Wurzel zur Milderung von unangenehmen Erscheinungsformen der Menopause, Postmenopause und Andropause anzuwenden, darunter zur Verbesserung des Befindens, zur Hemmung einer schnellen Entwicklung der Osteoporose, aus der posteriden (2) (18).

Seit Jahrhunderten wurde auch auf die Antabus-ähnliche Wirkung der Wurzel und insbesondere ihres Extrakts aufmerksam gemacht. Die Bestandteile des Extrakts der Kudzu-Wurzeln hemmen bzw. modifizieren nämlich die Wirkung der Alkohol-Dehydrogenase, wobei sie den Zerfall von Alkohol in Essig-Aldehyd und die Entstehung von Essigsäure hemmen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Isoflavone der Kudzu-Wurzel die Serotonin- und Dopamin-Konzentration im zentralen Nervensystem anheben, was eine schrittweise Verringerung der „Notwendigkeit“ zur Folge haben soll, Alkohol in jeglicher Form zu konsumieren. Wahrscheinlich ist der Prozess der Verringerung des Bedürfnisses, täglich eine gewisse Menge Alkohol zu sich zu nehmen, von der Schwere der Abhängigkeit abhängig. Der Mechanismus dieses Prozesses ist sehr kompliziert und beruht vielleicht nicht nur auf der Hemmung der Entstehung von Essig-Aldehyd und auf einer aus diesem Grunde verringerten Bildung einer komplexen Verbindung mit Amin-Biogenen – Salsolin (einer Verbindung aus der Gruppe der Tetrahydrochinoline), die die Opid-Rezeptieren stimulieren. Diese Stimulierung liegt vielleicht der Abhängigkeit zu Grunde, was eine Kette bildet, die die Wirkungsmechanismen von Opiaten und Äthylalkohol im Prozess des Abhängig Werdens verbindet. Die günstige Wirkung des trockenen Ethan-Extrakts aus der Kudzu-Wurzel beruht vielleicht nicht nur auf der milden Verringerung der Entstehung von Essig-Aldehyd, sondern auch der beschwerlichen Antabus-ähnlichen Erscheinungsformen, wie Gesichtsrötung, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, sowie auf der Verringerung des Angstgefühls, der Entzugserscheinungen wie erhöhtes Schwitzen, Angstgefühl, Muskelerregung, Erbrechen, starker Schweiß, Herzjagen u.ä..

Es scheint, dass eine weitere Beobachtung der Verwendung der Kudzu-Wurzel bei der Behandlung von Alkoholkranken, sowie auch gezielte Forschungen die Fähigkeit einer wirksamen Auswirkung von trockenem Ethan-Extrakt der Kudzu-Wurzel auf den Verlauf der Alkohol-Krankheiten klären sollten, sowie auch die Mechanismus, die diese Prozesse steuern, umso mehr, dass in der traditionellen Medizin die Kudzu-Wurzel und ihre Extrakte als wirksames Präparat in der Alkohol-Therapie (7) angesehen werden.

Bibliographie.

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